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Gemeinsame Pressekonferenz von Präsident Barack Obama und Premierminister Gordon Brown

Erklärung von US-Präsident Barack Obama

Foreign and Commonwealth Building
London, Großbritannien
1. April 2009


LONDON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Barack Obama auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem britischen Premierminister Gordon Brown beim Gipfeltreffen der G20 in London vom 1. April 2009.

Vielen herzlichen Dank, Gordon.

Guten Morgen. Ich freue mich sehr, in London zu sein, vor allem bei dem Wetter, das wir heute hier haben. Ich möchte Premierminister Brown für seine Gastfreundschaft danken, seiner Frau, die Michelle einige wunderbare Projekte in der Stadt zeigt, [und dem Premierminister] für seine Führungsstärke in diesen Zeiten der Herausforderung. Ich muss hinzufügen, dass nicht nur Gordon und Sarah uns mit großer Gastfreundschaft empfangen haben - ich habe auch ihre beiden Söhne kennengelernt, und wir haben ein bisschen über Dinosaurier gesprochen - zwischen unseren Gesprächen über Afghanistan und Iran. Wir haben eine wunderbare Zeit miteinander verbracht.

Ich möchte Ihnen gratulieren, weil Sie dieses Gipfeltreffen mit außergewöhnlicher Energie, Führungsstärke und Initiative vorbereitet haben. Wir alle schulden Premierminister Brown in höchstem Maße Dankbarkeit für seine Vorbereitungen des Treffens der Länder der G20, von dem ich glaube, dass es historisch und von großer Bedeutung sein wird.

Premierminister Brown und ich hatten heute Morgen ein produktives Gespräch. Uns beiden sind die besonderen Beziehungen zwischen unseren beiden Nationen sehr wichtig. Die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich sind gemeinsam durch Dick und Dünn gegangen, in Krieg und Frieden, in harten Zeiten und Zeiten des Wohlstands - und wir sind immer stärker aus ihnen hervorgegangen, indem wir zusammenhielten. Ich freue mich daher, dass mein erstes Treffen im Ausland als Präsident mit Gordon Brown stattfand, ebenso wie ich mich freute, ihn kurz nach meinem Amtsantritt in Washington willkommen zu heißen. Ich weiß, dass wir beide der Meinung sind, dass die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern mehr sind als ein Interessensbund - sie sind vielmehr eine Verbundenheit in Idealen, und sie müssen fortwährend erneuert werden.

In unserem Gespräch heute Morgen behandelten wir eine komplexe und umfassende Agenda. Sie fängt natürlich mit der Weltwirtschaft an. Wir alle hier in London haben die Verantwortung, mit einem Gefühl der Dringlichkeit zu handeln, und ich denke, was Premierminister Brown über die menschlichen Dimensionen dieser Krise sagte - Menschen, die ihre Häuser verlieren, ihre Unternehmen, für die sie so hart gearbeitet haben, Menschen, die in den Vereinigten Staaten ihre Krankenversicherung verlieren, Menschen überall auf der Welt, die schon vor der Krise verzweifelt waren, und jetzt noch verzweifelter sind - genau da muss unsere Agenda ansetzen, und an diesem Punkt wird sie auch enden.

Wir alle hier in London haben die Verantwortung, mit einem Gefühl der Dringlichkeit zu handeln. Jedes teilnehmende Land ist von einer Krise betroffen, die uns so viele Arbeitsplätze, Ersparnisse sowie die wirtschaftliche Sicherheit unserer Bürger gekostet hat. Täuschen Sie sich also nicht: Wir befinden uns in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Die globale Wirtschaft ist heute so grundlegend vernetzt, dass wir dieser Herausforderung nur zusammen begegnen können. Wir können in unseren Ländern keine Arbeitsplätze schaffen, wenn wir nicht unseren Beitrag dafür leisten, starke und stabile Märkte überall auf der Welt zu schaffen.

Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, Hand in Hand mit dem Vereinigten Königreich zu tun, was nötig ist, um Wachstum zu generieren und die Nachfrage zu fördern um sicherzustellen, dass eine Krise wie diese nie wieder möglich ist. Auf nationaler Ebene setzen wir uns offensiv für wirtschaftliche Erholung und Reformen ein. Wir haben beispiellose Maßnahmen zur Schaffung von Arbeitsplätzen und der Wiederherstellung des Kreditflusses unternommen. Und wir haben eine Reihe von strengen, neuen Regeln für alle unsere Finanzinstitutionen vorgeschlagen, die der Welt des 21. Jahrhunderts entsprechen. Wir holen uns selbst aus der Krise heraus und beenden die Missstände, die sie erst möglich gemacht haben.

Ich weiß, dass die Nationen der G20 auf angemessene Art und Weise ihre eigenen Ansätze verfolgen, und, wie Gordon bemerkte, werden wir uns nicht bei jedem Punkt einig sein. Ich bin hierher gekommen, um unsere Ideen darzulegen, aber auch, um zuzuhören - und nicht, um Vorträge zu halten. Dennoch dürfen wir keine Chancen dabei verpassen, eine Führungsrolle einzunehmen. Bei der Bewältigung einer Krise, die keine Grenzen kennt, haben wir eine Verantwortung, unsere Maßnahmen zu koordinieren und uns auf unsere Gemeinsamkeiten zu konzentrieren, nicht auf die gelegentlichen Meinungsverschiedenheiten. Wenn wir das tun, können wir riesige Fortschritte machen.

Aus diesem Grund habe ich bei der Vorbereitung dieser Treffen viele der Staats- und Regierungschefs, die hier sind oder bald eintreffen werden, kontaktiert und mich mit ihnen beraten.

Die Geschichte zeigt uns, dass wenn Nationen nicht zusammenarbeiten, wenn sie sich voneinander abwenden, wenn sie sich nach innen wenden, der Preis, den unsere Bevölkerung zahlen muss, nur noch steigt. So hat sich die Weltwirtschaftskrise verschärft. Wir können es uns nicht leisten, diesen Fehler zu wiederholen.

Ich bin überzeugt, dass wir in den kommenden Tagen daher mit gemeinsamen Zielsetzungen Fortschritte machen werden. Wir müssen alles Erforderliche tun, um das Wachstum wiederherzustellen und Reformen anzustoßen, die unsere Finanzsysteme auch in ferner Zukunft stabilisieren können. Wir müssen Protektionismus ablehnen und unsere Bemühungen zur Unterstützung der Schwellenländer beschleunigen. Wir müssen zudem eine Struktur aufbauen, die unsere Zusammenarbeit in den kommenden Monaten und Jahren tragen kann.

Der Premierminister und ich haben auch über verschiedene andere Themen gesprochen, die uns vor Herausforderungen stellen und von grundlegender Bedeutung für unsere gemeinsame Sicherheit und unseren beiderseitigen Wohlstand sind. Wie er bereits erwähnt hat, haben wir über die Überprüfung der Afghanistan- und Pakistanstrategie durch meine Regierung gesprochen, die erheblich von den Konsultationen mit unseren Verbündeten profitiert hat.

London wurde wie die Vereinigten Staaten von Terroristen der Al Kaida angegriffen, die in Pakistan noch immer Pläne schmieden, und wir haben uns verpflichtet, zielgerichtete Maßnahmen zu ergreifen, um sie zu besiegen. Ich möchte das wiederholen, was ich bereits während unseres letzten Zusammentreffens sagte: Ich möchte den britischen Soldaten und ihren Familien, die zum Wohle unserer gemeinsamen Sicherheit Seite an Seite mit unseren Soldaten Dienst tun, meine Anerkennung aussprechen.

Des Weiteren haben wir über die Fortschritte gesprochen, die gestern in Den Haag gemacht wurden, wo mehr als 70 Länder zusammenkamen, um über unsere gemeinsame Verantwortung bei der Zusammenarbeit mit der afghanischen Bevölkerung zu sprechen, damit wir der Al Kaida einen sicheren Zufluchtsort nehmen können. In den kommenden Tagen werden wir weitere Gespräche mit unseren Verbündeten in der NATO über die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte, die Aufstockung unserer zivilen Hilfe und einen regionalen Ansatz führen, der die Verbindungen zwischen der Zukunft Afghanistans und Pakistans anerkennt.

Jetzt noch zu einigen weiteren Punkte. Der Premierminister und ich fühlen uns einer nachhaltigen Diplomatie verpflichtet, um zwischen Israel und den Palästinensern sowie zwischen Israel und der arabischen Welt einen sicheren und dauerhaften Frieden zu erreichen. Wir arbeiten zusammen, um den Krieg im Irak durch die Übertragung der Verantwortung an die Iraker verantwortungsvoll zu beenden. Wir setzen uns beide für Diplomatie mit Iran ein, die der islamischen Republik die Chance auf eine bessere Zukunft eröffnet, wenn das Land seine atomaren Bestrebung aufgibt.

Schließlich haben wir über zwei der anderen langfristigen Herausforderungen gesprochen, die unsere Zeit prägen werden, und auf die ich mich während meines Besuchs in Europa konzentrieren werde: Die Notwendigkeit weltweiter Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel und erneute Bemühungen für die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen, letzteres ist ein Thema, über das ich heute noch mit Präsident Medwedjew sprechen werde.

Unsere unmittelbare Aufgabe ist jedoch die wichtige Arbeit im Umgang mit der Wirtschaftskrise. Wie ich bereits sagte, haben wir eine Zeit der weitreichenden Verantwortungslosigkeit erlebt. Jetzt können wir uns nicht auf halbherzige Maßnahmen beschränken, und wir können auch nicht zu der Risikobereitschaft zurückkehren, die zu solchen Blasen führt, die dann unvermeidlich platzen.

Wir haben also die Wahl: Entweder können wir unsere Zukunft gestalten oder die Ereignisse sie für uns gestalten lassen. Wenn wir Erfolg haben wollen, können wir es uns nicht leisten, wieder in die alten Debatten zu verfallen und die alten Trennlinien aufzubauen, die uns nicht voranbringen würden. Jedes Land, das hier vertreten ist, hat ein Interesse am Erfolg der anderen. Wir werden in den kommenden Tagen nicht all unsere Probleme lösen können, aber wir können wirkliche und beispiellose Fortschritte machen. Wir haben die Pflicht, weiterhin daran zu arbeiten, bis die Last von den Schultern der Bürger genommen ist, bis wir das stabile Wachstum erreicht haben, das Arbeitsplätze schafft und den Wohlstand für die Menschen überall mehrt.

Das ist die Verantwortung, die wir tragen müssen; sie muss das Vermächtnis unserer Zusammenarbeit sein. Ich bin Gordon außerordentlich für seine Freundschaft und Führungsrolle in einer so wichtigen Zeit dankbar.


Übersetzung: Amerikadienst/U.S. Embassy Berlin


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