 |
 |
 |

9. Veröffentlichung der Länderberichte über Menschenhandel
Rede von US-Außenministerin Hillary Rodham Clinton
Washington, D.C.
16. Juni 2009
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine gekürzte Fassung der Rede, die Außenministerin Hillary Rodham Clinton anlässlich der Veröffentlichung der Länderberichte über Menschenhandel 2009 am 16. Juni 2009 vor führenden Vertretern des Kongresses hielt.
Guten Morgen. Wir freuen uns sehr, dass heute Morgen einige hochrangige Mitglieder des Kongresses hier anwesend sind, die schon seit vielen Jahren sehr engagiert an diesem wichtigen Thema arbeiten. Dies ist das erste Mal, dass wir den Bericht in einem solchen Rahmen vorstellen; wir wollen zeigen, dass es sich hierbei wirklich um eine partnerschaftliche Veröffentlichung des Außenministeriums und des Kongresses handelt. Ohne den Kongress hätten wir nicht die nötigen Gesetze, wir könnten die Fälle nicht nachbereiten und es gäbe nicht den Dialog, den diese und andere Kongressmitglieder führen. Und ich bin sehr dankbar, dass sie sich trotz ihrer vollen Terminkalender die Zeit genommen haben, hier bei uns zu sein.
Dies ist ein wirklich bedeutsamer Tag für unser Land, und ganz besonders für das Außenministerium. So viele Menschen hier waren über die Jahre mit diesem wichtigen Thema befasst. Und es ist besonders passend, dass wir hier im 8. Stockwerk zusammengekommen sind, wo viele für unsere Nation so bedeutsame Ereignisse diplomatische Geschichte geschrieben haben.
Auf der ganzen Welt leben Millionen Menschen in Knechtschaft. Sie arbeiten auf Feldern und in Fabriken und ihre brutalen Arbeitgeber drohen ihnen Gewalt an, sollten sie zu entkommen versuchen. Sie arbeiten in den Häusern von Familien, die sie buchstäblich wie Gefangene halten. Sie werden gezwungen, sich zu prostituieren oder auf der Straße betteln zu gehen und sind voller Angst vor den Konsequenzen, die ihnen drohen, wenn sie ihr tägliches Soll nicht erfüllen können. So ergeht es Frauen, Männern und Kindern aller Altersgruppen, und oft werden sie weit weg von zu Hause festgehalten, ohne Geld, Kontakte zur Außenwelt und die Möglichkeit, um Hilfe zu bitten.
Dies ist eine moderne Form der Sklaverei, ein Verbrechen, durch das überall auf der Welt skrupellose Arbeitgeber mit einem nie versiegenden Strom an Arbeitskräften versorgt werden, die sie wirtschaftlich ausbeuten. Menschenhandel ist ein Verbrechen, dem viele zum Opfer fallen. Nicht nur diejenigen, die gehandelt werden, sondern auch die von ihnen zurückgelassenen Familien, von denen manche ihre Angehörigen nie mehr wiedersehen.
Der Menschenhandel hat auch weitreichende globale Auswirkungen. Er schwächt legale Volkswirtschaften und nährt Gewalt, bedroht die öffentliche Gesundheit und Sicherheit, zerstört Familien und zerreißt das soziale Netz, das für den Fortschritt notwendig ist. Und er ist ein Affront gegen unsere grundlegenden Werte und unseren tiefen Glauben daran, dass alle Menschen überall auf der Welt ein Recht auf Leben und Arbeit in Sicherheit und Würde haben.
Für die Regierung Obama ist der Kampf gegen den Menschenhandel im In- und Ausland ein entscheidender Teil der außenpolitischen Agenda. Die Vereinigten Staaten finanzieren aktuell 140 Programme gegen den Menschenhandel in knapp 70 Ländern sowie 42 Arbeitsgruppen im Inland, die diese Herausforderung hier angehen. Wir sind stolz auf die Arbeit, die wir leisten, doch wir wissen auch, dass wir noch sehr viel vor uns haben. Der wirtschaftliche Druck, ganz besonders im Zuge dieser weltweiten Wirtschaftskrise, macht mehr Menschen für die falschen Versprechungen der Menschenhändler empfänglich.
Heute veröffentlicht das Außenministerium die jährlich erscheinenden Länderberichte über Menschenhandel. Sie betonen die Notwendigkeit, gegen die tiefer liegenden Ursachen für den Menschenhandel wie Armut, mangelnde Strafverfolgung und die Ausbeutung von Frauen vorzugehen.
Die Länderberichte über Menschenhandel sollen nicht Versäumnisse in der Vergangenheit anprangern, sondern ein Wegweiser hin zu zukünftigen Fortschritten sein. Sie enthalten Beispiele für Schritte, die weltweit gegen Menschenhandel unternommen wurden - beispielsweise in der Republik Kongo, wo ein Offizier der Armee in einem wegweisenden Fall verurteilt wurde, weil er Kinder zur Arbeit als Soldaten gezwungen hatte, oder in Kolumbien, wo die Regierung ein neues umfassendes Lagezentrum eingerichtet hat, in dem Ermittler mutmaßliche Fälle von Menschenhandel untersuchen und sicherstellen, dass Opfer Unterstützung erhalten, oder in Jordanien, wo das Arbeitsministerium einen Fonds eingerichtet hat, um Opfern von Menschenhandel Lebensmittel, eine Unterkunft und Rechtshilfe anbieten zu können.
Mit diesem Bericht wollen wir den Umfang und das Ausmaß der modernen Sklaverei in den Mittelpunkt der internationalen Aufmerksamkeit rücken, so dass alle Regierungen sehen können, in welchen Bereichen Fortschritte gemacht wurden und wo noch mehr getan werden muss. Menschenhandel gedeiht im Verborgenen, und es ist einfach, ihn als etwas abzutun, wovon nur andere an anderen Orten betroffen sind. Aber das ist nicht der Fall. Menschenhandel ist ein Verbrechen, von dem jedes Land auf der Welt betroffen ist, auch unseres.
Menschenhandel und Zwangsarbeit sind hier in den Vereinigten Staaten ernste Probleme. Daran wurden wir vergangene Woche erinnert, als die Behörden einen Plan aufdeckten, nach dem in 14 Bundesstaaten im Mittelwesten Arbeitskräfte aus dem Ausland in Hotels und auf Baustellen ausgebeutet werden sollten.
Zeitgleich mit den diesjährigen Länderberichten über Menschenhandel (Global Trafficking in Persons Report) veröffentlicht das US-Justizministerium seinen eigenen Bericht, der auf das Problem des Menschenhandels eingeht und Empfehlungen enthält, wie wir besser dagegen vorgehen können.
Wir sind dankbar für die Arbeit des Justizministeriums. Sie wird uns helfen, die Bekämpfung des Menschenhandels in unserem eigenen Land voranzutreiben. Wir sind entschlossen, dabei mit allen anderen Ländern zusammenzuarbeiten. In den vergangenen Jahren haben wir eine umfassende Herangehensweise verfolgt, die auf drei Säulen steht: Strafverfolgung, Schutz und Prävention. Es ist an der Zeit, eine vierte Säule hinzuzufügen: Partnerschaft.
Das kriminelle Netzwerk, das Millionen von Menschen versklavt, überwindet Grenzen und ganze Kontinente. Unsere Reaktion muss das ebenfalls tun. Wir sind daher fest entschlossen, neue Partnerschaften mit Regierungen und Nichtregierungsorganisationen überall auf der Welt aufzubauen, denn die Folgen des Menschenhandels betreffen uns alle.
Ich weiß, dass viele von Ihnen in diesem Saal treue Verbündete im Kampf gegen den Menschenhandel sind. Ich möchte insbesondere allen Angestellten des Außenministeriums danken. Natürlich dem Büro zur Überwachung und Bekämpfung von Menschenhandel, aber auch anderen Personen, die dazu beigetragen haben, diesen Bericht zu verfassen. Ich hoffe, er wird gelesen und als Leitfaden studiert werden, so dass wir gemeinsam und partnerschaftlich weitere Fortschritte bei der Bekämpfung dieser wahrlich grausamen Geißel machen können.
Ich möchte nun einen ehemaligen Kollegen aus dem Senat willkommen heißen. Ben Cardin ist einer der Vorsitzenden der Kommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (Helsinki-Kommission), und in dieser Rolle hat er sich verpflichtet, die Bekämpfung des Menschenhandels zu einer wichtigen Priorität zu machen.
Übersetzung: Amerikadienst/U.S. Embassy Berlin
Datenschutz und Haftungsausschluss
e-mail: embassy@usembassy.at
|
 |
|