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Rede anlässlich des 60. Jahrestages des Bestehens der
Austro-American Society

Gesandter Scott F. Kilner

27. Juni 2007


Frau Präsidentin Stadler, Herr Gemeinderat Ingenieur Kemptner, Herr Generalsekretär Dr. Eichtinger, Mitglieder der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft, Verehrte Festgäste, meine Damen und Herren.

Zunächst möchte ich mich bei Ihnen, Frau Stadler, sehr herzlich für die Einladung und freundliche Begrüßung bedanken. Meine Frau Jan und ich freuen uns außerordentlich, daß wir diesen besonderen Abend heute mit Ihnen allen verbringen dürfen.

Erlauben Sie mir, liebe Frau Stadler, Ihren Worten noch ein paar Details, was meine Biographie betrifft, hinzuzufügen. Meine Verbundenheit mit Österreich hat nämlich nicht erst hier an der Botschaft ihren Anfang genommen.

Schon in den 70er Jahren habe ich als Student an der Stanford Universität am damaligen "Stanford in Austria" Programm teilgenommen und in dieser Zeit sechs Monate in Österreich verbracht, an die ich mich heute noch sehr gerne zurückerinnere.

Danach wurde Kurt Steiner, der inzwischen verstorbene große Jurist und Politikwissenschaftler, mein Diplomarbeitsbetreuer. Steiner hatte als Jude Österreich im Jahr 1938 verlassen müssen und gelangte schließlich nach einigen Umwegen, unter anderem als U.S.-Ankläger am Tokioter Kriegsverbrecherprozeß, nach Stanford, wo er Professor für Politikwissenschaft wurde. In den 90er-Jahren ehrte ihn die Universität Wien, seine Alma mater, durch die Verleihung eines Ehrendoktorats für seine zahlreichen Verdienste, was ihn sehr gefreut hat. Steiners Buch "Politics in Austria" ist bis heute ein Standardwerk, und ich verdanke ihm und seiner Frau Kitty viele interessante Gespräche und Einsichten über Österreich, aber auch über mein eigenes Land.

Nicht zuletzt war ich in den frühen 90er-Jahren Desk Officer für Österreich im amerikanischen Außenministerium, und so schließt sich heute für mich der Kreis, da ich nun als Gesandter meinem Land an unserer Botschaft in Wien dienen kann.

Vor kurzem fand in Wien im Oberen Belvedere ein Festakt statt, und zwar in jenem Saal, in dem am 15. Mai 1955 der österreichische Staatsvertrag unterzeichnet worden war. Bei dieser Gelegenheit signierten Botschafterin McCaw und Minister Bartenstein unter großem Medieninteresse eine Absichtserklärung - ein Memorandum of Understanding. Darin wurde festgehalten, daß im Laufe der nächsten zehn Jahre insgesamt eintausend Stipendien an österreichische und amerikanische Studierende zum Studium im jeweils anderen Land vergeben werden sollen.

Der Anlaß für diese Initiative, die von beiden Ländern unterstützt wurde, war der 60. Jahrestag der Rede von Außenminister George C. Marshall am 5. Juni 1947 an der Harvard Universität. Marshall hatte damals zu einem Hilfsprogramm für das vom Krieg zerstörte Europa aufgerufen und nach entsprechenden Verhandlungen auch die Zustimmung im amerikanischen Kongreß und in der Bevölkerung gefunden. Schließlich sollte jeder Amerikaner in Summe 80 Dollar für die Marshall-Plan Hilfe spenden, ein Betrag, der damals einem Facharbeiterlohn für 2 Wochen Arbeit entsprach. Österreich wurde mit einer durchschnittlichen Hilfssumme von 133 Dollar pro Kopf einer der größten Nutznießer der Mashallplan-Hilfe. Salzburg lag damals in der amerikanischen Zone, und sicher können sich viele von Ihnen, die heute hier anwesend sind, noch in der einen oder anderen Form an diese Zeit erinnern. Eine Reihe von ausgezeichneten Publikationen sowie ein Oral History Projekt zeugen von den vielen Begegnungen aus dieser Zeit.

Ich möchte auch die Gründung des Salzburg Seminar im Jahr 1947 hervorheben. Damals gründeten drei Harvard-Studenten in Schloß Leopoldskron eine Stätte der Wiederbegegnung für junge Europäer und Amerikaner, die heuer - wie die Österreichisch-Amerikanische Gesellschaft Salzburg - ihren 60. Geburtstag feiert. Nach dem Ende der Besatzung folgte für Österreich ein - nicht zuletzt durch die Marshallplan-Hilfe initiierter - stetiger wirtschaftlicher Aufschwung. Das führte dazu, daß das Land heute, was das Pro-Kopf Einkommen betrifft, zu einem der reichsten Länder der Erde zählt.

In all diesen Jahren blieben wir beide -- Österreich und die USA -- einander in Freundschaft verbunden, in der zwischen einzelnen Institutionen und Universitäten ein zunehmend reger Austausch gepflogen wurde. So unterhält die Universität Salzburg seit vielen Jahren eine Reihe von Austauschprogrammen mit US-amerikanischen Universitäten, in dem jenes mit der Bowling Green Universität in Ohio seit beinahe 40 Jahren besteht.

Es mag ein wenig seltsam klingen, aber nach dem Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 war man auf Seiten der USA vielleicht eine Spur nachlässig geworden. Es entstand der Eindruck, daß es nun nicht mehr so notwendig sei, unser Land, unsere Politik und die zugrunde liegenden historischen und kulturellen Motive unseren Freunden und Partnern in Übersee zu erklären. Die Entwicklungen in Afghanistan, im Nahen Osten und nicht zuletzt der 11. September 2001 haben uns jedoch eines besseren belehrt.

Public Diplomacy, so hat sich inzwischen herausgestellt, ist angesichts der neuen Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, heute wichtiger denn je.

An der U.S. Botschaft in Wien nehmen wir diese Herausforderung sehr ernst, und Botschafterin McCaw selbst führt diese Bemühungen mit viel Interesse und Energie aus. Konkret hat sich die Botschafterin vor allem in der Frage des Studentenaustausches engagiert. Sie ist mit Vize-Rektoren fuer Internationale Beziehungen zum Erfahrungsaustausch zusammengetroffen, hat an einer Reihe von österreichischen Universitäten Gastvorträge gehalten und mit zahlreichen Lehrern und Schülern gesprochen.

Nächste Woche werden wir zum sechsten Mal die Gewinner eines alljährlichen Wettbewerbs fuer künftige AFS-Austausch-Schüler in der Botschaft begrüßen können. Jeder dieser Schülerinnen und Schüler - heuer sind es acht - werden einen "Ambassador's Exchange Scholarship Award" in der Höhe von 1,250 Dollar erhalten.

Zu unseren regelmäßigen Aktivitäten an der Botschaft zählen außerdem das U.S. speaker program sowie das International Visitor Program. Im ersten bringen wir U.S. Experten nach Österreich, damit sie hier Vorträge halten und mit Österreichern in Dialog treten können. Für das International Visitor Program laden wir jedes Jahr eine Reihe von jüngeren Opinion Leaders in die USA ein, um ihnen sozusagen auf maßgeschneiderte Weise Land und Leute näherzubringen.

Darüber hinaus unterhalten wir eine Auskunfts- abteilung, unser American Reference Center, wohin man sich um Informationen die USA betreffend wenden kann.

All diese Aktivitäten wären jedoch nur halb so erfolgreich, gäbe es nicht die Friendship Societies, wie die Österreichisch-Amerikanische Gesellschaft Salzburg eine ist.

Diese Vereine spielen eine ganz wichtige Rolle beim Vertiefen der Freundschaft und des gegenseitigen Verständnisses. Ich kann Ihnen allen, die Sie heute anwesend sind und auch sonst regelmäßig an den Veranstaltungen der Gesellschaft teilnehmen, gar nicht sagen wie wichtig das ist. Und ich möchte Ihren Funktionärinnen und Funktionären, allen voran natürlich Ihrer unermüdlichen Präsidentin Sigrid Stadler und ihrem Team, ganz herzlich für Ihre Bemühungen danken.

Für uns an der Botschaft sind Organisationen wie die Ihre unverzichtbare Partner. Ich bin daher sehr glücklich, daß ich Ihrem sechzigjährigen Jubiläum heute beiwohnen darf und wünsche Ihnen dazu alles Gute und viele weitere erfolgreiche Jahre mit der Österreichisch-Amerikanische Gesellschaft. Ich danke Ihnen.

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