|
|
|||||||||||||
USA wollen Österreichs Soldaten in AfghanistanInterview mit dem Gesandten Scott F. KilnerTiroler Tageszeitung6. Februar 2007US-Vizebotschafter Scott Kilner lobte Österreich im TT-Interview, forderte aber zugleich einen größeren Beitrag zum weltweiten Krisenmanagement. Privat sei er schon öfter in Tirol gewesen, erzählte Kilner. Am Wochenende kam er zu seinem ersten offiziellen Besuch. Anlass war die Rodelweltmeisterschaft, doch der Karrierediplomat nützte die Gelegenheit, "ein bisschen Politik und ein bisschen Wirtschaft" mit ins Programm zu packen. Er traf u. a. LH Herwig van Staa und BM Hilde Zach und schaute bei Riedel Glas, Swarovski und GE Jenbach vorbei. TT: Herr Botschafter, wie beurteilen Sie die österreichisch-amerikanischen Beziehungen? Kilner: Wir betrachten die bilateralen Beziehungen im Rahmen jener mit Europa - besonders während Österreichs EU-Präsidentschaft, die nach unserer Ansicht sehr gut verlaufen ist. Fairer EU-Vorsitz Ich denke zum Beispiel an den EU-Beitritt der Türkei. Wir kennen die Bedenken, die Österreich hat. Aber der österreichische Vorsitz war fair und ließ die ersten Verhandlungskapitel öffnen. Österreich war auch sehr hilfreich bei den Kosovo-Statusgesprächen. Wir würden bei anderen Themen gern mehr zusammenarbeiten ... TT: Zum Beispiel? Kilner: Zum Beispiel in Afghanistan. Österreich hat derzeit sechs Soldaten bei der ISAF stationiert. Wir denken, dass es Gelegenheiten gäbe, mehr zu tun. Während der letzten Wahlen in Afghanistan waren ungefähr 100 österreichische Soldaten dort. Das war sehr wertvoll. Wir denken, dass die Zukunft Afghanistans für uns alle von entscheidender Bedeutung ist. Das ist nicht nur eine amerikanische Aufgabe. Österreich könnte sich auch beim Wiederaufbau oder mit nicht mehr benötigter Ausrüstung beteiligen. Mehr Aktivismus Wir würden von Österreich ein wenig mehr Aktivismus bei internationalen Krisen begrüßen, die unter dem Schirm der Vereinten Nationen behandelt werden. Ich denke oft, dass Österreicher nicht erkennen, wie gut sie es in diesem Land haben. Das ist möglich durch die freundliche Umgebung. Österreich ist Nutznießer dieser Stabilität. Man sollte dazu ebenso etwas beitragen, wie man davon profitiert. TT: Verteidigungsminister Norbert Darabos macht nicht den Eindruck, dass er sich in Ihrem Sinn bewegen will ... Kilner: Wir werden sehen ... Wir haben keine bestimmte Forderung; es geht um eine allgemeine Ansicht, dass Österreich viel an Erfahrung und Fähigkeiten anzubieten hat, die in wenigen Teilen der Welt eingesetzt sind. Wir würden größeres Engagement begrüßen. TT: Angeblich sind die USA unzufrieden mit Österreichs Wirtschaftsbeziehungen zum Iran. Worauf bezieht sich das? Kilner: Die UNO-Resolution 1737 untersagt Geschäfte mit Personen oder Unternehmen, die das Nuklearprogramm unterstützen. Aber die USA glauben, dass das nur der erste Schritt ist, die Finanzierung von Irans Nuklearprogramm abzuschneiden. Also sprechen wir mit unseren Partnern. Österreich gehört zu den Top-Ten jener Länder, die Exportkredite für Iran-Geschäfte anbieten. TT: Stimmt es, dass US-Botschaften in Europa direkt bei Firmen interveniert haben? Kilner: Sollten wir direkt mit einer Firma sprechen - manchmal tun wir das - dann nicht ohne Wissen und Zustimmung der Regierung. Manchmal erkennen Firmen nicht, was in einem Teil des Unternehmens passiert. Die Geschäftsführung mag es begrüßen, wenn wir Licht auf Aktionen werfen, die gegen die Linie des Unternehmens gerichtet sind. Entführungen legitim TT: Gab es auch in Österreich CIA-Operationen? Kilner: Es strapaziert die Glaubwürdigkeit zu vermuten, dass es das in Österreich gegeben hätte. Außerhalb Österreichs haben wir und andere Regierungen in ausgewählten Fällen Terrorverdächtige überstellt. Das ist ein legitimes Werkzeug gegen Terrorismus und resultierte in wichtigen Erfolgen. TT: Wie werden Sie die Situation im Irak lösen? Kilner: 80 Prozent der Angriffe von Terroristen ereignen sich im Großraum Bagdad. Die irakische Regierung hat derzeit nicht jene Truppenstärke, die sie braucht, um Bagdad unter ihre Kontrolle zu bringen. Deshalb haben sich unsere Generäle darauf geeinigt, für sechs bis zwölf Monate zusätzliche Truppen zur Verfügung zu stellen. Früher gab es zu oft politische Interventionen der irakischen Regierung. Sie wollte den Sicherheitskräften nicht erlauben, gegen schiitische Milizionäre vorzugehen. Das hat sich jetzt geändert. TT: Was sind Ihre nächsten Schritte im Fall Iran? Kilner: Im Fall des Iran werden wir uns sehr stark der multilateralen Diplomatie verschreiben. Wir arbeiten weiterhin über den Weltsicherheitsrat und die Sechsparteiengespräche. Wir sind sehr besorgt über iranische Interventionen im Irak. Vorwiegend geht es aber um das Nuklearprogramm, gegenüber dem wir hartnäckiger auftreten müssen. TT: Sie unterscheiden demnach nicht mehr zwischen "altem" und "neuem" Europa? Kilner: Diese Worte sind ein wenig veraltet. e-mail: embassy@usembassy.at |
![]() ![]() ![]() American Citizen ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |